Die bipolare Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie (RFITT)


Viele operative Eingriffe im sensiblen Hals-Kopf-Bereich werden heute noch überwiegend in der Klinik realisiert. Häufig sind diese Eingriffe für Sie als Patienten mit hoher peri- und postoperativer Schmerzexposition verbunden. Darüber hinaus schränken sie Sie in den Tagen und Wochen nach der Behandlung stark in Ihrer Lebensqualität ein.

Die ambulante Behandlung mit der Celon Methode zeichnet sich durch eine geringe Schmerzbelastung aus, erfordert lediglich eine Lokalanästhesie, dauert in der Regel nur zehn Minuten und ist damit nicht nur schonend sondern auch effizient. Sie können anschließend die Praxis sofort verlassen und beispielsweise wieder zur Arbeit gehen. Ein stationärer Klinikaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich.



Was ist RFITT?
RFITT ist die Abkürzung für den Begriff „Radiofrequenz-induzierte interstitielle Thermotherapie“. „Thermotherapie“ bezeichnet ein Verfahren der Erwärmung von Gewebe auf über 60 °C. Das hat eine Koagulation, d. h. eine Veränderung des Zelleiweißes zur Folge. Der Begriff „interstitiell“ weist darauf hin, dass die RFITT-Elektrode ihre Wirkung im Innern eines Organs entfaltet. Die Elektrode wird durch die Organoberfläche eingeführt und behandelt einen Bereich in tieferen Gewebeschichten, der zumeist einen vielfachen Durchmesser der Elektrode und damit des notwendigen Einstichkanals hat. „Radiofrequenz-induziert“ bedeutet, dass die Gewebeerwärmung durch einen radiofrequenten Wechselstrom, also einen Strom mit sehr hoher Frequenz (ca. 500 kHz) hervorgerufen wird. Hier wird der physikalische Effekt ausgenutzt, dass sich biologisches Gewebe wie ein elektrischer Widerstand verhält, der sich erwärmt, wenn er von Strom durchflossen wird.


Was ist die Celon Methode?
Die bipolare Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie (RFITT), auch Celon Methode genannt, ist ein Verfahren zur minimal-invasiven, thermischen Behandlung von Körpergewebe durch bipolaren radiofrequenten Strom. Die Wirkung kann genau kontrolliert werden und ist auf den behandelten Gewebebereich eng begrenzt. Die Gewebeoberfläche (Haut und Schleimhaut) wird geschont, die Organfunktion lymphatischen Gewebes bleibt erhalten.


Anwendungsgebiete
Die Celon Methode wird bereits in vielen HNO-Praxen und -Kliniken weltweit eingesetzt. Sie ist ausgereift, anwenderfreundlich und zeichnet sich durch eine hohe Sicherheit aus. Als minimal invasives ambulantes Verfahren ist sie nicht nur besonders schonend für die Patienten sondern auch sehr effizient.

Bei der bipolaren Radiofrequenz-induzierten Thermotherapie wird der bipolare RFITT-Applikator in den zu behandelnden Gewebebereich eingeführt. Eine Neutralelektrode an der Hautober-fläche des Patienten ist nicht erforderlich. Im Bereich der beiden in der Applikatorspitze integrierten Elektroden wird das Gewebe durch radiofrequenten Strom schonend erwärmt und gezielt koaguliert. Die Größe der dabei entstehenden Läsion ist abhängig von der Leistungsgabe und -dauer. Der Körper baut das koagulierte, nekröse Gewebe nach der Behandlung sukzessive ab, wodurch sich eine Volumenreduktion, Vernarbung und damit Straffung des behandelten Gewebeareals erzielen lässt.



Indikationen


Vergrößerte Nasenmuscheln: Zur Behandlung der Nasenmuschelhyperplasie wird eine Thermonekrose über die gesamte Länge der Concha im Inneren des Gewebes erzeugt. Damit ermöglicht die Celon Methode die weitgehende Schonung des für die Nasenfunktion wichtigen Flimmerepithels und der Nasenschleimhaut. Sieben bis zehn Tage nach der Behandlung tritt eine deutliche Volumenreduktion der Nasenmuschel ein. Der Effekt: Der verfügbare Durchgang für die Atemluft wird erweitert und die nasale Atmung des Patienten normalisiert sich.


Schnarchen: Hauptursache des habituellen Schnarchens ist die Vibration der erschlafften Gaumensegelmuskulatur. Durch gezielte Punktionen mit dem bipolaren RFITT-Applikator koaguliert der HNO-Facharzt submukös in ein bis zwei Sitzungen das überflüssige Gewebe des Gaumensegelmuskels, welches vom Körper des Patienten innerhalb weniger Wochen abgebaut wird.
Die Gaumensegelmuskulatur schrumpft und vernarbt im behandelten Areal. Diese gezielte Vernarbung bewirkt eine zusätzliche Straffung des Gewebes. Der Effekt: Die Vibration des Gaumensegels wird stark einschränkt und damit die Hauptursache des habituellen Schnarchens weitgehend ausgeschlossen.


Schlafapnoe: Die Celon Methode wird ebenfalls erfolgreich bei Patienten eingesetzt, die aufgrund einer vergrößerten bzw. erschlafften Pharynx- und Zungenmuskulatur unter einer leichten bis mittelstarken obstruktiven Schlafapnoe leiden. Hier wird mit dem bipolaren RFITT-Applikator eine Kombinationsbehandlung der entsprechenden Muskelpartien von Zungengrund und Weichgaumen zur Volumenreduktion vorgenommen. Die Zungengrundbehandlung sollte nur bei Option einer stationären 24h-Überwachung durchgeführt werden.  

Gaumenmandeln: Bei Patienten mit Hyperplasie der palatalen Tonsillen, zum Beispiel infolge häufiger Tonsillitis, ist nicht in jedem Fall eine komplette Entfernung der Tonsillen angezeigt. Mit der Celon Methode steht dem HNO-Facharzt ein schonendes, ambulantes Verfahren zur Verfügung, das die Tonsillen in ihrer Funktion erhält. Mit dem bipolaren RFITT-Applikator wird gezielt das lymphatische Gewebe im Inneren der Tonsillen koaguliert. Die Behandlung ist dadurch risiko- und schmerzärmer als die Tonsillotomie, postoperative Blutungen sind praktisch ausgeschlossen – wichtig zum Beispiel bei der Behandlung von Kindern. Der Effekt: Nach Abheilen der Thermonekrose tritt eine deutliche Volumenreduktion der Tonsillen ein.


Uvuloplastik: Bei starkem Schleimhautüberschuss, dem so genannten Webbing, oder einem sehr großen Gaumensegel kann die Kürzung der Uvula und der Gaumensegelschleimhaut angezeigt sein. Die Celon Methode der Micro-UPP (Uvulopalatoplastik) bietet für diese Indikation ein schonendes Schneidverfahren an, das am Gaumenbogen und einer vergrößerte Uvula erfolgreich eingesetzt werden kann. Auch dieser Eingriff kann schnell und unter Lokalanästhesie durchgeführt werden.
   


Welche Gefahren bestehen bei der medizinischen Anwendung von elektrischem Strom?
Der Strom für elektrochirurgische („Radiofrequenz“) Anwendungen ist nicht mit dem Strom aus der Netzsteckdose zu verwechseln. Netzstrom hat eine Frequenz von nur 50 Hz. Die Nerven werden durch diesen Strom gereizt. Berührt man stromführende Teile, verkrampfen die Muskeln und man bleibt bei hohen Spannungen „kleben“. Der bei der Radiofrequenzanwendung verwendete Strom dagegen hat eine so hohe Frequenz (ca. 500 kHz), dass die Nerven seine Reizwirkung gar nicht mehr wahrnehmen können. Die Gefahr von Muskel- und Nervenreizung besteht nicht. Einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor gegenüber den herkömmlichen RF-Chirurgie-Systemen bietet die Celon-Technologie: Die Celon-Applikatoren werden ausschließlich in bipolarer RF-Technik aufgebaut. Der Strom fließt also wirklich nur dort, wo er zur Erwärmung benötigt wird und nicht – wie bei monopolaren HF-Systemen – durch große Körperbereiche des Patienten zur Rückleitelektrode.


Was geschieht mit dem koagulierten Gewebe im Körper?
Bei konventionellen chirurgischen Eingriffen wird krankes Gewebe immer sofort entfernt, z. B. durch Herausschneiden mit dem Skalpell. Dagegen bleibt bei der RFITT-Methode das behandelte Gewebe im Körper des Patienten. Eine Entfernung ist überflüssig, da der Körper selbständig die Aufgabe der Gewebeentfernung, bzw. -zersetzung übernimmt. Der koagulierte Zellbereich wird als Fremdkörper wahrgenommen, nach wenigen Tagen von Narbengewebe umschlossen und innerhalb einiger Wochen aufgelöst. Dieser körpereigene Abbaumechanismus ermöglicht es, durch einen kleinen Einstichkanal von nur wenigen Millimetern einen Gewebebereich von bis zu 40 mm Durchmesser zu entfernen. Dazu wäre bei konventionell chirurgischen Verfahren ein großer Skalpelleinschnitt mit entsprechenden Umgebungsschäden und Vollnarkose nötig.


Gibt es Nebenwirkungen?
Bei der Behandlung der Nasenmuscheln kann es in den Tagen nach dem Eingriff zu leichter Krustenbildung (ähnlich wie bei einer Erkältung) kommen. Diese normale Reaktion des Körpers ist ungefährlich und kann gegebenenfalls mit sanften Sprays oder Salben gelindert werden.


Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Behandlung wird unter lokaler Betäubung durchgeführt, so dass von dem Eingriff selbst nichts zu spüren ist. Nach der Behandlung kann unter Umständen ein leichtes Fremdkörpergefühl in den behandelten Regionen auftreten.


Muss ich nach der Behandlung etwas beachten?
Schwere körperliche Belastungen sollten in den Tagen nach der Behandlung vermieden werden. Darüber hinaus kommt es zu keinen Einschränkungen im normalen Tagesablauf.


Wie groß ist die Zeitspanne, bis der Effekt der Behandlung eintritt?
Die Wirkung tritt nach wenigen Tagen ein und ist nach etwa drei Wochen voll ausgeprägt.


Hat die Celon-Mandelbehandlung Nebenwirkungen?
Nach einer Gaumenmandelbehandlung kann es in den Tagen nach dem Eingriff zu einer leichten Schwellung und Belag der Gaumenmandeln kommen. Diese normale Reaktion des Körpers ist ungefährlich und kann gegebenenfalls durch Kühlung (kalte Getränke oder Eis) gelindert werden.


Kann es nach der Celon-Mandelbehandlung zu Nachblutungen kommen?
Durch die minimal invasive Art des Eingriffs kommt es während der Behandlung in der Regel nicht zu Blutungen. Die Gefahr starker Nachblutungen wie bei einer konventionellen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) ist weitestgehend ausgeschlossen.


Brauche ich Tamponaden nach der Nasenmuschelbehandlung?
Da die Behandlung im Normalfall nicht zu Blutungen führt, ist eine Tamponierung der Nase nicht erforderlich.





Quelle: http://www.celon.de/deu/index.php




   

 

HNO Praxis Bockenheim


Dr. med. Grazyna Mazurek


Fachärztin für

Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde,

Kopf- & Hals-Chirurgie